Erhöhte Erschöpfbarkeit
Die erhöhte Erschöpfbarkeit („Fatigue“) ist ein häufiges Symptom der MS und unterscheidet sich deutlich von normaler Müdigkeit: Betroffene berichten über zunehmende Schwäche, Mattigkeit, Antriebs- und Energiemangel sowie ein dauerhaftes Müdigkeitsgefühl, das geistige und körperliche Leistungsfähigkeit einschränkt. Oft verschlechtert sich die Fatigue bei Wärme („Uhthoff-Phänomen“).
Viele Patienten leiden täglich mehrere Stunden darunter, meist verstärkt gegen Abend. Dies beeinträchtigt Lebensqualität, Arbeit und soziale Teilhabe und kann zu vorzeitiger Berentung führen.
Zur Diagnostik wird zunächst eine standardisierte Erfassung empfohlen, z. B. mit dem WEIMuS-Fragebogen und objektiven Aufmerksamkeitstests. Bei unauffälligen Tests und anhaltender subjektiver Fatigue wird die Testung am Nachmittag wiederholt.
Unser multimodales Behandlungskonzept umfasst psychologische Beratung für Patienten und Angehörige, Energiemanagement-Strategien, begleitende Psychotherapie (Verhaltenstherapie und Achtsamkeit) und ggf. Aufmerksamkeitstraining. Zusätzlich empfiehlt sich ein individuell angepasstes Ausdauertraining. Bei Wärmeempfindlichkeit können Kühlelemente helfen. In Einzelfällen kann ein medikamentöser Versuch mit Amantadin oder Modafinil sinnvoll sein.
Diagnostische Massnahmen
- WEIMuS-Fragebogen (subjektive Dimension)
- Aufmerksamkeitstestung (Subtest „Alertness“ aus der TAP), ggf. Wiederholung am Nachmittag
Therapeutische Massnahmen
- Aufklärung der Betroffenen (Fatigue ist ein Symptom der Erkrankung)
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2 – 3 l pro Tag)
- Kühlung (kalte Getränke, Kühlweste, Klimaanlage)
- Energie-Management mit Priorisierung, Tagesstrukturierung und ausreichenden Ruhepausen
- Psychotherapie wie kognitive Verhaltenstherapie oder achtsamkeitsbasierte Therapie
- körperliche Betätigung (Ausdauertraining), z. B. Fahrrad-Ergometrie oder Nordic Walking
- ggf. spezifisches Training der Aufmerksamkeit
- Medikamentöser Therapieversuch mit Amantadin bzw. Modafinil (bei pathologischer Aufmerksamkeitstestung) und Überprüfung des Therapieerfolgs nach ca. 2 Wochen