Musiktherapie
Seit 2009 ist die Musiktherapie Teil des multidisziplinären therapeutischen Angebots im Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof Bad Wildbad. Das musiktherapeutische Konzept verfolgt mit einer morphologisch-psychodynamischen Methodik das übergeordnete Ziel der Stress- und Krisenbewältigung. Dazu gehört die Aktivierung und Stärkung psychophysischer Ressourcen im Hinblick auf die selbständige Regulierung des eigenen körperlich-seelischen Wohlbefindens. Durch das aktive Musikmachen werden unter anderem auch die sensomotorischen Hand-Arm-Bein-Funktionen, die Rumpfstabilität, sowie die Körper- und Vibrationswahrnehmung gefördert.[1]
Die Musiktherapie versteht sich grundsätzlich als „der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit.“[2]
Folgende Wirkungsweisen von Musik spielen dabei im Kontext der neurologischen Rehabilitation eine besondere Rolle: „Musik als komplexe sensorische, stark Muster geprägte, temporal strukturierte ›Klangsprache‹ spricht das menschliche Gehirn parallel auf sensorischer, motorischer, perzeptiv-kognitiver und emotionaler Ebene an. Sie stimuliert und integriert neuronale Vernetzungen in einer musikspezifischen Weise. Diese Stimulation kann durch gezielten Einsatz in therapeutischen Verfahren, die auf aktivem Üben beruhen, Verhaltens-, Verarbeitungs- und Wahrnehmungsprozesse beim Patienten ansteuern und verändern.“[3]
Seit vielen Jahren werden in der aktiven Musiktherapie im Quellenhof eine Anzahl von Klang- und Rhythmusinstrumenten eingesetzt, deren therapeutische Wirkungsweise in der fühlbaren Schwingungsübertragung liegt. Bei intensivem Einsatz dieser Instrumente kann sich die Körperwahrnehmung subjektiv wie objektiv nachhaltig verbessern. Neben dem aktiven musiktherapeutischen Angebot spielen je nach individuellen Bedürfnissen der Betroffenen auch Entspannungsmethoden, Atmung und Stimme eine wichtige Rolle.
Die Musiktherapie ist dabei ergänzend zur physio- und ergotherapeutischen und neuropsychologischen Begleitung unseres Klientels zu verstehen.Musikalische Vorkenntnisse sind für die Teilnahme am differenzierten musiktherapeutischen Angebot nicht notwendig.
„Der Körper ist ein Schwingungssystem ihm innewohnender biologischer Rhythmen (Herzschlag, Atmung, Peristaltik) […] Musiktherapie ist undenkbar ohne Einbeziehung des Körpers.“[4]
Quellen
[1] Vgl. Barbara Weinzierl: „Musiktherapie in der neurologischen Rehabilitation für Menschen mit Multipler Sklerose“, in: Together – Das Nachrichtenmagazin der AMSEL Baden-Württemberg, 04/17, S. 8-11.
[2] Definition der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft: www.musiktherapie.de/musiktherapie/definition.html, Stand: 05, 2017.
[3] H. Argstatter1, Th. Hillecke2, M. Thaut3, H. V. Bolay: Musiktherapie in der neurologischen Rehabilitation, in: Neurol Rehabil 2007; 13 (1), S. 43, aus: www.researchgate.net/profile/Heike_Argstatter/publication/
289768998_Music_therapy_in_motor_rehabilitation_Evaluation_of_a_musico-medical_gait_training_program_
for_hemiparetic_stroke_patients/links /56a5cbce08aef91c8c16b098.pdf, Stand: 05, 2018.
[4] Hans-Helmut Decker-Voigt, Paolo J. Knill, Eckhard Weymann: Lexikon Musiktherapie, Hogrefe Verlag, 1996, Artikel: „Körperwahrnehmung“, S. 185.
Einblicke in die Therapie

Sitzhaltung beim Spielen auf der „Big Bom“: Die sog. „90-Grad-Richtlinie“ führt zu einer gesunden Sitzposition und zu einer Rumpfaufrichtung durch die Trommelbewegungen der Arme.

Sicht von oben auf die „Big Bom“ mit acht spielbaren Tönen und Schlägeln.
Leitung Musiktherapie