Post-Polio-Syndrom
Spätfolgen der Kinderlähmung
Das Post-Polio-Syndrom (PPS) ist dadurch charakterisiert, dass Jahrzehnte nach der akuten Erkrankung erneut schwerwiegende Beschwerden auftreten können. Dabei handelt es sich zum einen um die Verschlechterung vorbestehender muskulo-skelettaler Beschwerden, andererseits um das Auftreten neuer progredienter Muskelschwächen.
Als Ursache des Post-Polio-Syndroms wird die Dekompensation des seit der akuten Kinderlähmung bestehenden Denervations-Reinnervationsprozesses angenommen. Davon abzugrenzen sind stabile Folgezustände einer einmal erlittenen Poliomyelitis.
Es kommt zu strukturellen und funktionellen Überforderungen des Bewegungsapparates (Nerv-Muskel-System) mit folgenden Leitsymptomen:
- Auftreten neuer oder Verschlechterung vorbestehender Muskelschwächen
- Schmerzen
- Müdigkeit
- Atemfunktionsstörungen
Die Diagnose ist eine rein klinische Diagnose, wobei im Wesentlichen andere neurologische, orthopädische und internistische Erkrankungen auszuschließen sind.
Unsere Behandlungskonzepte
Ziele der rehabilitationsbehandlung
Wiederherstellen bestmöglicher, auf die Aktivitäten des täglichen Lebens ausgerichteter Bewegungsmuster ist das Ziel der Rehabilitation.
Dazu ist erforderlich:
- Linderung bestehender Schmerzen
- Schulung der Körperwahrnehmung zur verbesserten Koordination und allgemeinen Mobilisation
- Konditionierung des Gesamtorganismus zur Förderung der Ausdauer
Bei all diesen Maßnahmen ist zu beachten, dass der Patient auch weiterhin auf jahrelang funktionierende Kompensationsmechanismen zurückgreifen muss. Da die Belastbarkeit oft erheblich eingeschränkt ist, muss für jeden Patienten ein individueller Rehabilitationsplan erstellt und in enger Zusammenarbeit zwischen Patient, Ärzt:innen und Therapeut:innen abgestimmt werden.
Schmerztherapie
Erhöhte Müdigkeit
Krankengymnastik
Atemstörung
Weitere Angebote
Vorträge und erfahrungsaustausch
2 mal im Monat findet ein Patiententreffen unter ärztlicher und physiotherapeutischer Leitung statt. Dabei erhalten die Betroffenen ärztliche Informationen und Gelegenheit, Erfahrungen zum Krankheitsverlauf und zum Behandlungskonzept auszutauschen.
Sozialdienst
- Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben
- Sozialrechtliche Beratung
- Beantragung von Schwerbehindertenausweis und Pflegegrad
- Beratung zu Pflegehilfsmitteln
- Klärung der weiteren ambulanten Versorgung
Urologische Mitbetreuung
- Insbesondere bei Blasenentleerungsstörungen bei Paresen der Bauchmuskulatur
- Kontinenzberatung
- Fachärztlich-urologische Sprechstunden im Haus
- Zusammenarbeit mit der Physiotherapie (Beckenbodentraining, Tibialis Stimulation)
Konsiliarische Mitbetreuung
- Weitere fachärztliche Mitbetreuung außer Haus, wird durch ortsansässige Praxen und Kliniken gewährleistet
Die Koordinierung aller therapeutischen Maßnahmen erfolgt in Form von regelmäßigen, wöchentlich durchgeführten Teambesprechungen.
Seit 1997 behandelt das Neurologische Rehabilitationszentrum Quellenhof sowohl Patienten mit Spätfolgen nach Poliomyelitis als auch solche mit Post-Polio-Syndrom und besitzt auf diesem Gebiet große Erfahrung. Im Frühjahr 1997 wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Poliomyelitis e.V. eine Umfrage unter 250 Patienten, die an Spätfolgen einer Poliomyelitis leiden, durchgeführt. Ziel dabei war es, die Bedürfnisse der Patienten, die Beschwerden sowie erfolgreiche Therapien zu ergründen.
Das Behandlungskonzept wird seit dieser Zeit kontinuierlich an die Bedürfnisse der Patienten angepasst. Nach unserer Erfahrung sind stationäre Rehabilitationsmaßnahmen bei eingeschränkter Mobilität und Belastbarkeit der Patienten ambulanten Maßnahmen überlegen, da hier das Therapieprinzip der Entlastung und ausreichenden Erholung unabhängig von beruflichen und häuslichen Belastungen realisiert werden kann.
Selbsthilfegruppen Bundesverband Polio e. V.
Im Jahre 1993 wurde der „Bundesverband Polio e. V.“ gegründet.
Die Aufgaben des Verbandes sind
- Gezielte Öffentlichkeitsarbeit
- Information von Betroffenen
- Aufbau von Selbsthilfegruppen
- Gründung von Regionalgruppen
- Aufbau eines Informationsnetzes
Ziel des Verbandes
Unter Einbindung des sozialen Umfeldes, der Arbeitswelt und der Familie soll dem PPS-Betroffenen weitgehend geholfen werden, seine eigene Situation besser einzuschätzen und seinen künftigen Lebensweg umzustellen.
Durch eine vielfältige Öffentlichkeitsarbeit soll die Problematik des PPS aus der Unwissenheit gelöst werden und der/die PPS-Betroffene in die Lage versetzt werden, dass die Problematik der Erkrankung nicht mehr als Hypochondrie oder psychosomatische Erkrankung abgewertet werden.
Kontakt
Tel.: 03733 5041-187
Fax: 03733 5041-188
Bundesverband Polio e.V.
Beratungs- und Geschäftstelle
Freiberger Straße 33
09488 Thermalbad Wiesenbad
Mehr über die Selbsthilfegruppen, Regionalbüros und Kontaktstellen finden Sie auf der Homepage des Bundesverbandes